Schulungen in Lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF) – Was ist das?

Hierbei handelt es sich um eine Schulung zur selbständigeren Lebensführung und Kommunikation.

Sie befinden sich in einer der folgenden Situationen: Ihr Sehen hat sich allmählich oder plötzlich verschlechtert oder Ihre Sehfähigkeit ist ganz verschwunden. Die einfachsten Handgriffe fallen Ihnen zunehmend schwerer. Sie stoßen Dinge um, finden Ihre Sachen nicht und benötigen immer öfter Hilfe. Vielleicht sind Sie dadurch bereits psychisch belastet. - Oder Sie haben noch nie gut gesehen, müssen aber nun vieles selbst bewältigen, was bisher andere Personen für Sie übernommen haben. - Möglicherweise möchten Sie sich auch auf eine solche Situation vorbereiten, weil Sie eine entsprechende Augendiagnose erhalten haben und wissen, dass sie auf Sie zukommt. Betroffene Kinder und Jugendliche wollen ihre Selbständigkeit altersentsprechend entwickeln und erweitern. Eltern und Lehrer sind von den praktischen Herausforderungen, die Sehbehinderung und Blindheit mit sich bringen, überfordert.

Sie möchten zum Beispiel folgende Tätigkeiten selbständig und sicher ausüben können:

  • Sich in der eigenen Wohnung orientieren und bewegen, ohne sich dabei zu stoßen
  • Gegenstände, Bedienknöpfe, Bekleidung und anderes sicher unterscheiden
  • Fingernägel, Gesicht oder Haare pflegen
  • Getränke einschenken, kalt oder heiß
  • Gemüse, Fleisch und Beilagen schneiden und aufschieben
  • Kaffeemaschine, Herd, Radio oder Waschmaschine bedienen
  • Tisch, Dusche oder Boden säubern
  • Bargeld am Automaten ziehen und damit zahlen
  • Ihre Unterschrift leisten
  • wichtige Informationen festhalten oder Dinge beschriften bzw. markieren
  • mit dem Festnetztelefon, dem Handy oder dem I-Phone telefonieren.

In einer Schulung für Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) können Sie für all diese Tätigkeiten Strategien und Hilfsmittel kennen lernen und die Anwendung einüben. Dabei lernen Sie ebenfalls, bei weiteren Schwierigkeiten eigene Lösungswege zu entwickeln. Zudem können Techniken der sicheren und eleganten sehenden Begleitung durch Ihre Angehörigen vermittelt werden. Je früher die Schulung einsetzt, desto eher können Assistenz- und Pflegebedarf, Haushaltsunfälle sowie Auswirkungen auf Ihre psychische Gesundheit und auf die Belastung Ihrer Angehörigen vermieden werden.

Die Schulung findet im Einzelunterricht statt, in den Räumen des IRIS e.V. oder bei Ihnen zu Haus (ambulant). Der Umfang richtet sich nach Ihren individuellen Zielen und Möglichkeiten. Eine qualifizierte und anerkannte Rehabilitationsfachkraft für Blinde und Sehbehinderte Menschen stellt sich ganz auf Ihr Lerntempo und Ihre Fähigkeiten ein. Sie zeigt Ihnen Tricks und Hilfsmittel, um die gewünschte Tätigkeit ohne fremde Hilfe durchführen zu können. Die notwendigen Fähigkeiten der übrigen Sinne (Hören, Tasten, Riechen, Schmecken) sowie Strategien zum Finden eigener Lösungen werden dabei geschult. Zusätzliche körperliche oder geistige Einschränkungen werden berücksichtigt und einbezogen. Sind Sie gehörlos, arbeitet die Fachkraft des IRIS e.V. mit einer Gebärdensprach- oder Lorme-Dolmetscherin zusammen.

Was muss ich tun?

Rufen Sie uns an, wenn Sie Interesse an einer Schulung haben. Wir vereinbaren ein kostenloses Beratungsgespräch bei Ihnen zu Haus, im IRIS e.V. oder per Telefon. Die Rehabilitationsfachkraft spricht mit Ihnen über Ihre Bedürfnisse und erstellt den Schulungsplan. Sie sendet den Antrag auf Kostenübernahme an den zuständigen Kostenträger, in der Regel Ihre Krankenkasse oder das Amt für Eingliederungshilfe für Behinderte Menschen. Treten Probleme auf, helfen wir Ihnen weiter.

Film: Informationsfilm über die Schulung in LPF des AMD-Netz NRW e.V.